Nach dem Konzil waren die Katholiken plötzlich wie alle anderen
Aufgrund der Säuglinge und Kleinkinder, deren Kreischen die lateinischen Gesänge und Gebete des Priester übertönt, dürfte das Durchschnittsalter unter zwanzig liegen.
(kreuz.net, London) England erlebt nach Angaben der ‘Latin Mass Society’ gegenwärtig eine Renaissance
der Alten Messe.
Das berichtete Gina Thomas (51), die England-Korrespondentin der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’, in einem Artikel vom 29. Oktober.
Als Beispiel nennt Frau Thomas das Little Oratory – eine Kapelle in London – die sich jeweils am Sonntag für die Alte Messe überbordend füllt:
“Aufgrund der Säuglinge und Kleinkinder, deren Kreischen den Priester übertönt, dürfte das Durchschnittsalter unter zwanzig liegen.”
Dennoch ist der Jubel der englischen Traditionalisten über das Motu Proprio des Papstes nach Angaben von Frau Thomas getrübt.
Denn die britischen Bischöfe sind fortwährend bestrebt, die Freigabe des Alten Ritus zu hintertreiben.
Bischöfe mauern
Mit dem Beispiel der USA vor Augen, wo die Ernennung einiger “traditionsfester Bischöfe” die Vormacht der liberalen Hierarchie angeblich geschwächt hätten, würden die britischen Bischöfe Geschlossenheit beweisen, um den Status quo zu wahren – mythologisiert Frau Thomas mit Berufung auf einen “Eingeweihten”.
Als Symbol des Widerstandes der britischen Bischöfe nennt Frau Thomas deren demonstrative Abwesenheit, als Kurienkardinal Dario Castillón Hoyos im Sommer als erster Kardinal seit fast vierzig Jahren in der Kathedrale von Westminster ein Pontifikalamt im Alten Ritus zelebrierte:
“Bezeichnend sind auch die gewundenen legalistischen Erläuterungen, welche liberale Diözesanbischöfe zum »scheinbaren Rückschritt« des Papstes verteilen, um der Verbreitung des Alten Ritus entgegenzuwirken”- so Frau Thomas:
“Einige von ihnen haben offenbar nicht begriffen, daß sich das Apostolische Schreiben Benedikts XVI. nicht zur Interpretation anbietet, sondern Gesetz ist” – ist Frau Thomas überzeugt.
Mit Berufung auf einen Priester erklärt sie, daß britische Geistliche – trotz Motu Proprio – immer noch Repressalien fürchten müssen, wenn sie die Alte Messe lesen.
Sie zitiert Damian Thompson, den Chefredakteur der Wochenzeitung ‘The Catholic Herald’, der von einem innerkirchlichen Bürgerkrieg gesprochen hat.
“Wir werden die Bedürfnisse aller berücksichtigen”
Frau Thomas erinnert daran, daß die Briten bereits vor der Liturgiereform für die Erhaltung des Alten Ritus kämpften. Sie nennt das Beispiel des britischen Konvertiten und Schriftstellers Evelyn Waugh († 1966).
Dieser fragte John Kardinal Heenan († 1975) von Westminster im August 1964, ob es zu viel verlangt wäre, allen Pfarrgemeinden zu befehlen, zwei Messen zu halten, »eine ‘Pop’ für die Jungen und eine ‘Trad’ für die Alten«.
Die Antwort des Kardinals: Er solle nicht verzagen, “wir werden die Bedürfnisse aller berücksichtigen.”
Waugh hatte für den am grünen Tisch zusammengeschusterten Neuen Ritus kein Musikgehör: “Sie zerstören alles, was nach außen hin anziehend war an meiner Kirche” – beklagte er sich im Februar 1965 bei der britischen Schriftstellerin Nancy Mitford († 1973).
Erschreckende Verantwortung
Dann erinnert Frau Thomas an den offenen Brief, mit dem eine Gruppe von britischen Intellektuellen Papst Paul VI. im Jahr 1971 auf die “erschreckende Verantwortung” des Heiligen Stuhls hinwies, “mit der dieser in der Geschichte des menschlichen Geistes konfrontiert wäre, wenn er sich weigerte, der traditionellen Messe das Überleben zu erlauben, auch wenn dieses Überleben mit anderen liturgischen Formen einhergehen würde”.
Unter den Unterzeichnern waren Ungläubige und Nicht-Katholiken.
Frau Thomas weist darauf hin, daß das Absurde an der ganzen Diskussion darin besteht, daß die Indulte sich auf einen Zustand bezogen, der formal gar nicht bestand:
“Denn wie die Traditionalisten stets betonen, ist der Alte Ritus nie formal abgeschafft worden.”
Elitäres Bedürfnis nach Anderssein
In der britischen Debatte kommt im Zusammenhang mit dem Motu Proprio eine Komponente hinzu, die wohl auf die durch Jahrhunderte der Diskriminierung geprägte Identität der hiesigen Katholiken zurückzuführen ist: “ein elitäres Bedürfnis nach dem Anderssein” – deutet Frau Thomas.
Sie zitiert Evelyn Waughs von Theologie durchdrungenem Roman “Wiedersehen mit Brideshead”.
Dort sagt die atheistische Erzählerfigur Charles Ryder zu seinem adligen Freund Sebastian Flyte, daß die Katholiken genauso zu sein schienen wie andere Menschen:
“Mein lieber Charles”, entgegnet der charmante Adelige, der vor dem erdrückenden römischen Glauben seiner Mutter in den Alkohol flüchtet: “Das ist genau, was sie nicht sind – vor allem in diesem Land, wo es so wenige gibt.”
Auf dem Dach des herrschaftlichen Familiensitzes in der Sonne liegend, erklärt Sebastian dem Außenstehenden, daß die englischen Katholiken eine völlig andere Weltanschauung haben: “Alles, was ihnen wichtig ist, unterscheidet sie von den anderen. Sie versuchen es so weit wie möglich zu verbergen, aber es kommt ständig zum Vorschein.”
Nationalgeschichtliche Wurzeln
Frau Thomas weist darauf hin, daß sich die Verhältnisse geändert haben, “seit Waugh den elegischen Abgesang auf eine Welt schrieb, die der traditionsliebende Misanthrop für todgeweiht hielt.”
Sie zitiert die bekannte britische Anthropologin Mary Douglas († 2007), die in den 70er Jahren “wehmütig” festgestellt habe, daß “die englischen Katholiken nun so sind wie alle anderen”.
Für die Traditionalisten sei dieser Befund ein Stachel: “Der gewisse intellektuelle und gesellschaftliche Exklusivitätsanspruch, der den Liebhabern der Alten Messe in Deutschland und anderen Ländern vielleicht zu Unrecht unterstellt wird, hat in England nationalgeschichtliche Wurzeln.”
Das berichtete Gina Thomas (51), die England-Korrespondentin der ‘Frankfurter Allgemeine Zeitung’, in einem Artikel vom 29. Oktober.
Als Beispiel nennt Frau Thomas das Little Oratory – eine Kapelle in London – die sich jeweils am Sonntag für die Alte Messe überbordend füllt:
“Aufgrund der Säuglinge und Kleinkinder, deren Kreischen den Priester übertönt, dürfte das Durchschnittsalter unter zwanzig liegen.”
Dennoch ist der Jubel der englischen Traditionalisten über das Motu Proprio des Papstes nach Angaben von Frau Thomas getrübt.
Denn die britischen Bischöfe sind fortwährend bestrebt, die Freigabe des Alten Ritus zu hintertreiben.
Bischöfe mauern
Mit dem Beispiel der USA vor Augen, wo die Ernennung einiger “traditionsfester Bischöfe” die Vormacht der liberalen Hierarchie angeblich geschwächt hätten, würden die britischen Bischöfe Geschlossenheit beweisen, um den Status quo zu wahren – mythologisiert Frau Thomas mit Berufung auf einen “Eingeweihten”.
Als Symbol des Widerstandes der britischen Bischöfe nennt Frau Thomas deren demonstrative Abwesenheit, als Kurienkardinal Dario Castillón Hoyos im Sommer als erster Kardinal seit fast vierzig Jahren in der Kathedrale von Westminster ein Pontifikalamt im Alten Ritus zelebrierte:
“Bezeichnend sind auch die gewundenen legalistischen Erläuterungen, welche liberale Diözesanbischöfe zum »scheinbaren Rückschritt« des Papstes verteilen, um der Verbreitung des Alten Ritus entgegenzuwirken”- so Frau Thomas:
“Einige von ihnen haben offenbar nicht begriffen, daß sich das Apostolische Schreiben Benedikts XVI. nicht zur Interpretation anbietet, sondern Gesetz ist” – ist Frau Thomas überzeugt.
Mit Berufung auf einen Priester erklärt sie, daß britische Geistliche – trotz Motu Proprio – immer noch Repressalien fürchten müssen, wenn sie die Alte Messe lesen.
Sie zitiert Damian Thompson, den Chefredakteur der Wochenzeitung ‘The Catholic Herald’, der von einem innerkirchlichen Bürgerkrieg gesprochen hat.
“Wir werden die Bedürfnisse aller berücksichtigen”
Frau Thomas erinnert daran, daß die Briten bereits vor der Liturgiereform für die Erhaltung des Alten Ritus kämpften. Sie nennt das Beispiel des britischen Konvertiten und Schriftstellers Evelyn Waugh († 1966).
Dieser fragte John Kardinal Heenan († 1975) von Westminster im August 1964, ob es zu viel verlangt wäre, allen Pfarrgemeinden zu befehlen, zwei Messen zu halten, »eine ‘Pop’ für die Jungen und eine ‘Trad’ für die Alten«.
Die Antwort des Kardinals: Er solle nicht verzagen, “wir werden die Bedürfnisse aller berücksichtigen.”
Waugh hatte für den am grünen Tisch zusammengeschusterten Neuen Ritus kein Musikgehör: “Sie zerstören alles, was nach außen hin anziehend war an meiner Kirche” – beklagte er sich im Februar 1965 bei der britischen Schriftstellerin Nancy Mitford († 1973).
Erschreckende Verantwortung
Dann erinnert Frau Thomas an den offenen Brief, mit dem eine Gruppe von britischen Intellektuellen Papst Paul VI. im Jahr 1971 auf die “erschreckende Verantwortung” des Heiligen Stuhls hinwies, “mit der dieser in der Geschichte des menschlichen Geistes konfrontiert wäre, wenn er sich weigerte, der traditionellen Messe das Überleben zu erlauben, auch wenn dieses Überleben mit anderen liturgischen Formen einhergehen würde”.
Unter den Unterzeichnern waren Ungläubige und Nicht-Katholiken.
Frau Thomas weist darauf hin, daß das Absurde an der ganzen Diskussion darin besteht, daß die Indulte sich auf einen Zustand bezogen, der formal gar nicht bestand:
“Denn wie die Traditionalisten stets betonen, ist der Alte Ritus nie formal abgeschafft worden.”
Elitäres Bedürfnis nach Anderssein
In der britischen Debatte kommt im Zusammenhang mit dem Motu Proprio eine Komponente hinzu, die wohl auf die durch Jahrhunderte der Diskriminierung geprägte Identität der hiesigen Katholiken zurückzuführen ist: “ein elitäres Bedürfnis nach dem Anderssein” – deutet Frau Thomas.
Sie zitiert Evelyn Waughs von Theologie durchdrungenem Roman “Wiedersehen mit Brideshead”.
Dort sagt die atheistische Erzählerfigur Charles Ryder zu seinem adligen Freund Sebastian Flyte, daß die Katholiken genauso zu sein schienen wie andere Menschen:
“Mein lieber Charles”, entgegnet der charmante Adelige, der vor dem erdrückenden römischen Glauben seiner Mutter in den Alkohol flüchtet: “Das ist genau, was sie nicht sind – vor allem in diesem Land, wo es so wenige gibt.”
Auf dem Dach des herrschaftlichen Familiensitzes in der Sonne liegend, erklärt Sebastian dem Außenstehenden, daß die englischen Katholiken eine völlig andere Weltanschauung haben: “Alles, was ihnen wichtig ist, unterscheidet sie von den anderen. Sie versuchen es so weit wie möglich zu verbergen, aber es kommt ständig zum Vorschein.”
Nationalgeschichtliche Wurzeln
Frau Thomas weist darauf hin, daß sich die Verhältnisse geändert haben, “seit Waugh den elegischen Abgesang auf eine Welt schrieb, die der traditionsliebende Misanthrop für todgeweiht hielt.”
Sie zitiert die bekannte britische Anthropologin Mary Douglas († 2007), die in den 70er Jahren “wehmütig” festgestellt habe, daß “die englischen Katholiken nun so sind wie alle anderen”.
Für die Traditionalisten sei dieser Befund ein Stachel: “Der gewisse intellektuelle und gesellschaftliche Exklusivitätsanspruch, der den Liebhabern der Alten Messe in Deutschland und anderen Ländern vielleicht zu Unrecht unterstellt wird, hat in England nationalgeschichtliche Wurzeln.”
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Wednesday, Nov 12. 2008 17:09
Oba †: Removed by the editor
Wednesday, Nov 12. 2008 15:17
Zoellibat †: Removed by the editor
Thursday, Nov 6. 2008 22:59
Stephanus: Dachte nicht an Walter, vielmehr an
mathematische Formeln von Quatraten, vom Vielfachen usw.
und ich hatte einmal die Realzahlen der gegenwärtigen Weltkirche ausgeklammert (nur kurz) weil mir diese nicht aussagekräftig genug sind.
Wir brauchen keinen Walter Ulbricht um mit oder ohne Unterlagen feststellen zu können, daß sich im alten Europa die Zahlen der einsatzfähigen Priester und Ordensleute im freien Fall befinden.
Und hier vor allem die Zahl der Priester die noch den ganzen katholischen Glauben vertreten.
Daher auch das Ausklammern. Denn wir treffen vor allem in der sogenannten dritten Welt, wo die sogenannte junge Kirche daheim ist, sehr sehr oft auf Theologen, die wohl alles Mögliche vertreten nur nicht mehr den ganzen Katholischen Glauben wie wir ihn im Glaubensbekenntnis bezeugen.
Dazu kommen die neuesten Zahlen: allein in Deutschland wieder mehr als 150 neue Möglichkeiten die Messe aller Zeiten erleben zu dürfen.
Und es werden Tag für Tag mehr!
Wir brauchen im günstigsten Fall nicht mal 30 Jahre um fast alle Zahlen umkehren zu können.
G O T T sei Dank !!!
und ich hatte einmal die Realzahlen der gegenwärtigen Weltkirche ausgeklammert (nur kurz) weil mir diese nicht aussagekräftig genug sind.
Wir brauchen keinen Walter Ulbricht um mit oder ohne Unterlagen feststellen zu können, daß sich im alten Europa die Zahlen der einsatzfähigen Priester und Ordensleute im freien Fall befinden.
Und hier vor allem die Zahl der Priester die noch den ganzen katholischen Glauben vertreten.
Daher auch das Ausklammern. Denn wir treffen vor allem in der sogenannten dritten Welt, wo die sogenannte junge Kirche daheim ist, sehr sehr oft auf Theologen, die wohl alles Mögliche vertreten nur nicht mehr den ganzen Katholischen Glauben wie wir ihn im Glaubensbekenntnis bezeugen.
Dazu kommen die neuesten Zahlen: allein in Deutschland wieder mehr als 150 neue Möglichkeiten die Messe aller Zeiten erleben zu dürfen.
Und es werden Tag für Tag mehr!
Wir brauchen im günstigsten Fall nicht mal 30 Jahre um fast alle Zahlen umkehren zu können.
G O T T sei Dank !!!
Thursday, Nov 6. 2008 15:36
stimme der vernunft: @Stephanus
Das Durchschnittsalter der Tradis, nicht nur in England, liegt in vielen Gemeinden unter 20 Jahren.Das
glaub ich gerne.
Die Frage ist halt, wieviele von den Kindern überhaupt noch irgendeine Kirche besuchen, wenn sie erst mal alleine entscheiden können, ob sie da hingehen oder nicht.
Die Frage ist halt, wieviele von den Kindern überhaupt noch irgendeine Kirche besuchen, wenn sie erst mal alleine entscheiden können, ob sie da hingehen oder nicht.
Thursday, Nov 6. 2008 02:46
Beweihräucherer: Breaking News: 10 000 geschafft
Thursday, Nov 6. 2008 02:17
clarissa colonia: Werter Stephanus,
Sie vertreten ja einen recht ausgedehnten Generationsbegriff: Derzeit ca. 410.000 katholische Priester (lt. Annuario Pontificio) gegenüber knapp 500 der fraternitas (lt. dt. Homepage). Haben Sie daher einen Beitrag in Memoriam Walter Ulbricht (zur Wirtschaftsleistung der DDR gegenüber der Westdeutschlands) beabsichtigt: “Überholen ohne einzuholen”?
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