Der wahre Hardliner der Piusbruderschaft
Nach vier Jahrzehnten Ökumenismus braucht die Kirche dringend eine auf Knien abgehaltene Gebetswoche zur Einheit der Katholiken.
(kreuz.net, Straßburg) Die bisherigen Verhandlungen zwischen der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. und
dem Heiligen Stuhl haben sich in drei Perioden abgewickelt.
Das erklärte der französische Kirchenhistoriker Luc Perrin am 31. Juli vor der Webseite ‘Rorate Caeli’.
Perrin ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Straßburg 2. Er ist Verfasser verschiedener Bücher und Fachmann für Fragen, die den Traditionalismus betreffen.
Die von Perrin genannten Etappen waren – im Jahr 1988, von 2000 bis 2002 und ab August 2005.
Der Kirchenhistoriker glaubt, daß es 1978 nach der Wahl von Johannes Paul II. noch eine ernsthafte Chance für eine Aussöhnung gegeben hätte.
Die letzten Verhandlungen vor den unerlaubten Bischofsweihen im Juni 1988 scheiterten Anfang Mai desselben Jahres.
Damals war der wenige Wochen später zum Bischof geweihte Bernard Tissier de Mallerais in der zuständigen Delegation der Bruderschaft.
Die Position gewechselt
Mons. Tissier de Mallerais hatte Erzbischof Marcel Lefebvre († 1991) zunächst zu einer Vereinbarung mit dem Heiligen Stuhl gedrängt.
Doch in der Zwischenzeit ist Mons. Tissier nach Angaben von Perrin der “aggressivste” unter den vier Bischöfen der Piusbruderschaft.
Damit widerspricht Perrin der weit verbreiteten These, wonach der aus England stammende Bischof Richard Williamson der schärfste Kritiker einer Versöhnung mit dem Heiligen Stuhl sei.
Mons. Tissier hat – so Perrin – seit 2007 mehrfach seinen “veritablen Zorn” gegen den Papst zum Ausdruck gebracht. Vor der lefebvristischen Zeitung ‘The Angelus’ sagte er, daß ihn der “Horror” der Theologie Benedikt XVI. “sprachlos” mache.
Derzeit drohe er im Falle einer Aussöhnung, neue Bischöfe zu weihen, um eine von Rom getrennte Piusbruderschaft weiterzuführen.
Mons. Tissier de Mallerais schließe jede Art der Versöhnung aus. Seine Sprache komme dem Sedisvakantismus sehr nahe – obgleich er das nicht offen sage.
Versöhnung in dreißig Jahren
Im Jahr 2000 habe der Präsident der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, Dario Kardinal Castrillon Hoyos, ein zweites Mal versucht, eine kanonische Einigung mit den Lefebvristen und Rom zu erzielen.
Perrin erinnert, daß große Teile der Piusbruderschaft sich dagegen gewehrt hätten. Allerdings sei der Generalobere, Mons. Bernard Fellay, von der ausgestreckten Hand des Vatikans beeindruckt gewesen.
Auf der anderen Seite habe die Rom-Wallfahrt der Bruderschaft im Jubeljahr 2000 dem damaligen Papst Johannes Paul II. imponiert.
Einige Monate später forderte Bischof Fellay für eine Versöhnung mit Rom die zwei Vorbedingungen – Freigabe der Alten Messe und Annullierung der Exkommunikationen gegen die vier Bischöfe der Piusbruderschaft.
Nach Perrin war das eine raffinierte Art, nicht Ja zu sagen und dennoch nicht klar abzulehnen.
Der Historiker warnt, daß viele Priester der Bruderschaft im Laufe der Jahre ein Verständnis für die Bedeutung Roms und des Papstes verloren hätten.
Dennoch hat die Wahl von Benedikt XVI. im Frühjahr 2005 eine Wiederaufnahme der Gespräche ermöglicht.
Aber: “Die Phase der Verhandlungen dürfte nun trotz oder wegen des Motu Proprio Summorum Pontificum zu Ende gehen” – vermutet Perrin:
“Immer wenn die Piusbruderschaft einer Versöhnung nahekommt, bricht ihre Leitung auseinander, und es beginnt eine Zeit des ‘Kalten Krieges’ gegen Rom.”
Als Hauptgrund für die regelmäßigen Fehlschläge nennt Perrin das Fehlen dauerhafter Verhandlungsstrukturen:
“Es ist unmöglich, ernsthaft an komplexen Lehrinhalten zu arbeiten, wenn man sich nur kurz zu unregelmäßigen Zeiten trifft.”
Gebetswoche für die Einheit der Katholiken
Perrin lobt einen Vorschlag von Mons. Fellay, der sich einen Plan für eine weitere Vorgehensweise bei den Verhandlungen wünscht.
Doch Mons. Fellay hat – so Perrin – auch von einer “gewissen Entmutigung” bei den Bischöfen der Bruderschaft und einem Aufschub der Aussöhnung um dreißig Jahre gesprochen.
Darum fürchtet der Historiker, daß ein solcher Plan in einer Schublade verstauben würde:
“Wann würde Bischof Fellay oder sein Nachfolger die Schublade wieder öffnen und der Straßenkarte die notwendige Aufmerksamkeit schenken?”
Abschließend schlägt Perrin vor, eine “Gebetswoche für die Einheit der Katholiken” zu halten.
© Bilder: Piusbruderschaft
Das erklärte der französische Kirchenhistoriker Luc Perrin am 31. Juli vor der Webseite ‘Rorate Caeli’.
Perrin ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Straßburg 2. Er ist Verfasser verschiedener Bücher und Fachmann für Fragen, die den Traditionalismus betreffen.
Die von Perrin genannten Etappen waren – im Jahr 1988, von 2000 bis 2002 und ab August 2005.
Der Kirchenhistoriker glaubt, daß es 1978 nach der Wahl von Johannes Paul II. noch eine ernsthafte Chance für eine Aussöhnung gegeben hätte.
Die letzten Verhandlungen vor den unerlaubten Bischofsweihen im Juni 1988 scheiterten Anfang Mai desselben Jahres.
Damals war der wenige Wochen später zum Bischof geweihte Bernard Tissier de Mallerais in der zuständigen Delegation der Bruderschaft.
Die Position gewechselt
Mons. Tissier de Mallerais hatte Erzbischof Marcel Lefebvre († 1991) zunächst zu einer Vereinbarung mit dem Heiligen Stuhl gedrängt.
Doch in der Zwischenzeit ist Mons. Tissier nach Angaben von Perrin der “aggressivste” unter den vier Bischöfen der Piusbruderschaft.
Damit widerspricht Perrin der weit verbreiteten These, wonach der aus England stammende Bischof Richard Williamson der schärfste Kritiker einer Versöhnung mit dem Heiligen Stuhl sei.
Mons. Tissier hat – so Perrin – seit 2007 mehrfach seinen “veritablen Zorn” gegen den Papst zum Ausdruck gebracht. Vor der lefebvristischen Zeitung ‘The Angelus’ sagte er, daß ihn der “Horror” der Theologie Benedikt XVI. “sprachlos” mache.
Derzeit drohe er im Falle einer Aussöhnung, neue Bischöfe zu weihen, um eine von Rom getrennte Piusbruderschaft weiterzuführen.
Mons. Tissier de Mallerais schließe jede Art der Versöhnung aus. Seine Sprache komme dem Sedisvakantismus sehr nahe – obgleich er das nicht offen sage.
Versöhnung in dreißig Jahren
Im Jahr 2000 habe der Präsident der päpstlichen Kommission Ecclesia Dei, Dario Kardinal Castrillon Hoyos, ein zweites Mal versucht, eine kanonische Einigung mit den Lefebvristen und Rom zu erzielen.
Perrin erinnert, daß große Teile der Piusbruderschaft sich dagegen gewehrt hätten. Allerdings sei der Generalobere, Mons. Bernard Fellay, von der ausgestreckten Hand des Vatikans beeindruckt gewesen.
Auf der anderen Seite habe die Rom-Wallfahrt der Bruderschaft im Jubeljahr 2000 dem damaligen Papst Johannes Paul II. imponiert.
Einige Monate später forderte Bischof Fellay für eine Versöhnung mit Rom die zwei Vorbedingungen – Freigabe der Alten Messe und Annullierung der Exkommunikationen gegen die vier Bischöfe der Piusbruderschaft.
Nach Perrin war das eine raffinierte Art, nicht Ja zu sagen und dennoch nicht klar abzulehnen.
Der Historiker warnt, daß viele Priester der Bruderschaft im Laufe der Jahre ein Verständnis für die Bedeutung Roms und des Papstes verloren hätten.
Dennoch hat die Wahl von Benedikt XVI. im Frühjahr 2005 eine Wiederaufnahme der Gespräche ermöglicht.
Aber: “Die Phase der Verhandlungen dürfte nun trotz oder wegen des Motu Proprio Summorum Pontificum zu Ende gehen” – vermutet Perrin:
“Immer wenn die Piusbruderschaft einer Versöhnung nahekommt, bricht ihre Leitung auseinander, und es beginnt eine Zeit des ‘Kalten Krieges’ gegen Rom.”
Als Hauptgrund für die regelmäßigen Fehlschläge nennt Perrin das Fehlen dauerhafter Verhandlungsstrukturen:
“Es ist unmöglich, ernsthaft an komplexen Lehrinhalten zu arbeiten, wenn man sich nur kurz zu unregelmäßigen Zeiten trifft.”
Gebetswoche für die Einheit der Katholiken
Perrin lobt einen Vorschlag von Mons. Fellay, der sich einen Plan für eine weitere Vorgehensweise bei den Verhandlungen wünscht.
Doch Mons. Fellay hat – so Perrin – auch von einer “gewissen Entmutigung” bei den Bischöfen der Bruderschaft und einem Aufschub der Aussöhnung um dreißig Jahre gesprochen.
Darum fürchtet der Historiker, daß ein solcher Plan in einer Schublade verstauben würde:
“Wann würde Bischof Fellay oder sein Nachfolger die Schublade wieder öffnen und der Straßenkarte die notwendige Aufmerksamkeit schenken?”
Abschließend schlägt Perrin vor, eine “Gebetswoche für die Einheit der Katholiken” zu halten.
© Bilder: Piusbruderschaft
Read all articleContinue:
Thursday, Aug 21. 2008 07:59
clarissa colonia: Dann, werte Nereide,
befinden sich diese eben in einem Verbotsirrtum, der aber keine Auswirkung auf die Rechtsordnung hat. Angenommen, Sie dächten (in moralischem wie rechtlichem Verbotsirrtum), daß Tötungsdelikte nicht mehr verboten (und strafbewehrt wären. Dies würde weder die Rechtsordnung ändern, noch als Rechtfertigungs- oder Entschuldigungsgrund taugen.
Wednesday, Aug 20. 2008 22:00
Galatea: Regina1961:
Das stimmt so vielleicht für manchen mutigen Pfarrer.
Die Messe vor dem Konzil, und da können Sie gerne jeden fragen, gilt heute noch als verboten, besonders bei den älteren Leuten.
Die Messe vor dem Konzil, und da können Sie gerne jeden fragen, gilt heute noch als verboten, besonders bei den älteren Leuten.
Wednesday, Aug 20. 2008 16:27
karljosef: @PI Wenn er ein Freund Kardinals Siri’s war war er nicht in der Piusbruderschaft
Romano Amerio, Italian by nationality, was a man of broad and classical erudition, who taught philosophy,
Greek and Latin at the Academy of Lugano, Switzerland from 1928 to 1970. He was an episcopal consultant
to the Central Preparatory Commission of Vatican II and was a peritus for the Bishop of Lugano during
the Council. A true insider to the Council’s activities. He was a friend of the late Cardinal Siri of
Genoa and died in 1997.
Archbishop Lefebvre had this to say of Iota Unum: “A book has just appeared, Iota Unum, written by Professor Romano Amerio, who lives in the north of Italy. In my opinion, it is the most perfect book that has been written since the Council on the Council, its consequences, and everything that has been happening in the Church since. He examines every subject with a truly remarkable perfection. I was stupefied to see with what serenity he discusses everything, without the passion of polemics, but with untouchable arguments. I do not see how the current attitudes of Rome can still persist after the appearance of such a book. They are radically, definitively condemned, and with such precision, for he only uses their own texts, citations from Osservatore Romano. The whole is absolutely magnificent.
Archbishop Lefebvre had this to say of Iota Unum: “A book has just appeared, Iota Unum, written by Professor Romano Amerio, who lives in the north of Italy. In my opinion, it is the most perfect book that has been written since the Council on the Council, its consequences, and everything that has been happening in the Church since. He examines every subject with a truly remarkable perfection. I was stupefied to see with what serenity he discusses everything, without the passion of polemics, but with untouchable arguments. I do not see how the current attitudes of Rome can still persist after the appearance of such a book. They are radically, definitively condemned, and with such precision, for he only uses their own texts, citations from Osservatore Romano. The whole is absolutely magnificent.
Wednesday, Aug 20. 2008 15:04
Regina 1961: @Przybislav Iamesseblo
Ich kenne diese Textstelle. Aber sie ist kein Verbot!!! Verbot heißt DARF NICHT MEHR GEHALTEN WERDEN.
Und das steht nirgends!!!
Regina1961
Regina1961
Wednesday, Aug 20. 2008 11:19
Przybislav Iamesseblo: Regina und Karljosef
Der Frevler Montini hat die alte Messe zwar nicht abgeschafft, sondern indultpflichtig gemacht und ihr
damit einen anderen Standort zugewiesen als sie bis dahin hatte. Seine diesbezügliche Erklärung aus
seiner apostolischen Konstitution MISSALE ROMANUM vom 3. April 1969 mit der die im Geiste des Konzils
vorgenommenen Reformen verkündet werden, schließt mit den Worten: “Was wir hier festgelegt und angeordnet
haben, soll jetzt und in Zukunft gültig sein und zwar ungeachtet gegenteiliger Bestimmungen in den apostolischen
Konstitutionen und Anordnungen unserer Vorgänger, welche unter anderen Bedingungen durchaus Achtung verdienen
und Ausnahmen begründen können”. Paul VI will damit sagen, dass er vorerst wünscht, dass fortan ausschließlich
nach der neuen Messordnung gefeiert werde, dabei jedoch die Möglichkeit nicht ausschließen will, dass
zu einem späteren Zeitpunkt über die Zukunft der bisherigen Messe entschieden werde.
Karljosef: Romano Amerio war kein Weltgeistlicher sondern ein Oberstudienrat aus Lugano. Sein Vater war ein italienischer Arzt seine Mutter entstammte einer alteingessessenen Familie. Am Ende seines Lebens dürfte er sich deswegen der Piusbruderschaft angenähert haben, weil sie, nachdem der Verlag auf Druck der Konzilssekte seine Werke aus dem Verkehr gezogen hatte, sie für deren weitere Verbreitung gesorgt hat.
Karljosef: Romano Amerio war kein Weltgeistlicher sondern ein Oberstudienrat aus Lugano. Sein Vater war ein italienischer Arzt seine Mutter entstammte einer alteingessessenen Familie. Am Ende seines Lebens dürfte er sich deswegen der Piusbruderschaft angenähert haben, weil sie, nachdem der Verlag auf Druck der Konzilssekte seine Werke aus dem Verkehr gezogen hatte, sie für deren weitere Verbreitung gesorgt hat.
Wednesday, Aug 20. 2008 09:55
Regina 1961: @Galathea
WER hat denn das Gerücht aufgebracht, daß der “alte” Gottesdienst verboten worden ist? Nur die Tatsache,
daß es ein neues Meßbuch gab, ist allein und für sich noch kein Anlaß eine ältere Meßform zu verbieten.
Bei allen Texten, die ich lese, ist mir nie ein Verbot der tridentinischen Messe “über den Weg gelaufen”.
Ein älterer Pfarrer, der auch noch den alten Ritus kennt und praktiziert, sagte mir mal augenzwinkernd
(aus dem Gedächtnis zitiert) daß es in der Kirche nur üblich war, daß ein Ritus einfach nicht mehr
praktiziert wurde, wenn ein neuer Ritus eingführt wurde. Das ist aber kein Verbot des älteren Ritus
und für mich ist das gleichbedeutend mit der Tatsache, daß viele Katholiken mit dem alten Ritus nichts
mehr anfangen konnten bzw. den neuen Ritus begrüßten. Mit SP habt ihr doch eine Öffnung, es ist nun
ja nicht mehr “verboten” den alten Ritus zu feiern. Was wollt ihr noch? Williams for pope?
Regina1961
Regina1961
The editorial staff does not take any responsibility for the content of the posstings. The right to cancel postings or to exclude readers from the debate is reserved.







